Visitenkarten

12. September 2009

Visiten-karten eine Karte der Visite, eigentlich eine Besucherkarte …

… das war sie ursprünglich und wurde auf einem silbernen Tablett serviert, zur Ankündigung des Besuchers. Wenn auch nicht mehr so vornehm, ist genau diese Eigenschaft des Kontaktes von Person zu Person der Visitenkarte bis heute erhalten geblieben. Denn genau das unterscheidet eine Visitenkarte von einem Flyer, der ja der Eigenwerbung dient. Eine Visitenkarte ist eine unaufdringliche Art, Kontaktdaten auszutauschen. Sei es auf privater oder geschäftlicher Ebene. Im geschäftlichen Bereich weist Sie zusätzlich zum Namen auch auf den Beruf, die Position oder Funktion und auf den Titel hin. Ganz interessant ist auf Wikipedia beschrieben, wie in Japan Visitenkarten überreicht werden. Dort scheint es ein kleines Ritual zu sein, mit beiden Händen überreicht zuerst der ranghöhere die Karte. Der sie in Empfang nimmt, steckt sie nicht sogleich weg, denn das würde als Beleidigung empfunden, sondern er legt sie behutsam zur Seite und überreicht dann ebenso seine Karte. Das Überreichen der Visitenkarte kann also auch eine Geste der persönlichen Achtung sein.

Sicher kennen Sie die Situation: Sie kommen mit jemanden ins Gespräch und möchten beim Abschied gerne Telefonnummer oder E-Mail-Adresse austauschen. Und während Sie Ihren Namen und Telefonnummer auf einen Zettel schreiben, denken Sie sich, warum habe ich eigentlich keine Visitenkarte?Wer selbständig ist oder eine Existenz gründen möchte, sollte schon aus seriösen und praktischen Gründen Visitenkarten bei sich tragen. Die besten Geschäftspartner lernt man durch persönliche Kontakte kennen.

Visitenkarten sind aber nicht nur stilvoller, sie haben auch den praktischen Zweck,

  • dass sie schnell griffbereit sind zum Vergeben und für den anderen zum Anrufen usw.,
  • dass sie nicht so leicht zerfleddern,
  • dass sie in das Scheckkartenfach des Portemonnaies passen,
  • dass man sie i.d.R. geordnet ablegt und wiederfindet,
  • dass sie gleichzeitig die Person und deren Dienstleistung erinnert
  • dass sie auch an Dritte weitergereicht werden kann
  • und dass sie auch einen persönlichen Eindruck mit der Gestaltung hinterlassen.

Der persönliche Eindruck entsteht natürlich umso mehr, je individueller die Karte gestaltet ist. Weniger bei reiner Datenangabe oder Mustergestaltungen, wo nur noch der Name, Anschrift etc. eingetragen werden.

Was gehört auf die Visitenkarte?

Name, Berufsbezeichnung bzw. Stellung in einer Firma, Anschrift, Telefon, ggf. Handy und Fax, E-Mail-Adresse und wenn vorhanden auch die Internetadresse. Das sind einmal die persönlichen Daten. Auf einer geschäftlichen Karte sollte auch das Logo eingebunden werden.

Nebenbei bemerkt: Das Logo sollte auch wirklich ein Logo sein. D.h. stilisiert und grafisch, kein Bild und möglichst keine Verläufe. In der Anwendung auf verschiedenen Medien merkt man bald, was ein gutes Logo ausmacht und warum ein Grafik-Designer auf “Schnickschnack” verzichtet.

Gerne wird die Rückseite der Visitenkarte leer gelassen, damit der Empfänger der Karte selbst Notizen zur besonderen Erinnerung machen kann. Häufig wird die Rückseite aber auch für Angaben zur Dienstleistung oder für eine Anfahrtskizze verwendet. Eine Visitenkarte ist aber kein direktes Werbemittel, daher sollte es nicht übertrieben werden mit zusätzlichen Angaben. Als Regel gilt für Visitenkarten ganz besonders: weniger ist mehr. Sie ist wirklich eine stilvollerer Merkzettel oder eine bewegliche Karteikarte.

Welche typografischen Gesetzmäßigkeiten kommen zum Tragen?

Schriftgröße, Zeilenabstand, Absätze, Reihenfolge in der Anordnung, Seitenabstände, proportionales Verhältnis zu Logo und Fläche, einfache Gliederung in Blöcken, Bündigkeit der Zeilen und Ziffern, die richtige Darstellung von Telefonnummern – je nach Einsatzbereich mit Ländervorwahl

Wie diese Typografischen Regeln anzuwenden sind, sollte der Designer wissen …

Nach der DIN-Norm werden Telefonnummern ohne Gliederung und zusätzlichen Zeichen geschrieben:

mit Ortsvorwahl: 01234 567890
mit Landesvorwahl: +49 (0)1234 567890
mit Durchwahl: +49 (0)1234 567890-1

Wie immer sind Regeln aber dazu da, um gebrochen zu werden. Der besseren Lesbarkeit halber nehmen Grafiker innerhalb der Ziffern trotz festgelegter Norm gerne eine sinnvolle Spationierung vor. Dies sind keine ganzen Leerzeichen, sondern eine rein optische, von Hand eingestellte Unterteilung!

Die Schriftgröße wird bei Visitenkarten eher kleiner gewählt, lediglich der Name sollte im Verhältnis etwas größer sein. Je nach Schriftart kann dies z. B. 10 pt zu 8 pt sein. Da Visitenkarten eher einen sachlichen Charakter haben, wird auch auf kursive Schrift verzichtet, es sei denn, es ist ein ausdrückliches Gestaltungsmittel.

Muss ein bestimmtes Format eingehalten werden?

Dies ist eine rein praktische Entscheidung. Grundsätzlich sind Visitenkarten nicht genormt und sind in manchen Ländern proportional etwas schlanker bzw. niedriger. In Europa wird meist das Format 55 mm x 85 mm verwendet, da es dem Scheckkartenformat entspricht und viele Etuis und andere Aufbewahrungsmittel auf dieses Maß abgestimmt sind. Varianten bestehen in Hochformat und Querformat, Klappvisitenkarten,  abgerundeten Ecken oder unterschiedlichen Beschichtungen oder Materialien.

Ist ein besonderer Karton für Visitenkarten sinnvoll?

Für private Visitenkarten in geringer Auflage nimmt man für Tintenstrahl- oder Laserdrucker geeignetes, ca. 250 gr starkes, mattes Papier. Für professionelle Visitenkarten wird gewöhnlich ein 300 gr Offsetkarton matt gestrichen oder ein weißes Recyclingpapier verwendet. Die Nachahltigkeit und Umweltverträglichkeit bei Druckmaterial findet immer mehr Beachtung und ist auch sinnvoll. Etwas mehr investieren wird man für besondere Papiere, wenn es etwas edeler aussehen soll. Wer Wert auf Originalität legt, kann auch Transparentes Papier, Kunststoffe oder auch Aluminium oder gar Holz nehmen. Diese Materialien findet man am ehesten im geschäftlichen Bereich und vor allem auf Messen vor, wo sich der eine vom anderen abheben möchte. Dabei entstehen ganz kreative Ideen. Ich habe auch schon eine Visitenkarte in der Aufmachung eines Kleidungs-Etiketts mit Öse und Faden gesehen. Diese Mischung aus seriös und lustig hinterlässt natürlich einen bleibenden Eindruck.

Auch das Druckverfahren kann mit besonderen Farben wie Metallic, Glanzfarben oder mit einem erhabenen Reliefdruck zusätzliche Raffinessen bringen, wenn es um ein besonderes Image gehen soll.

Wer handwerklich begabt ist und Zeit hat, nimmt sich eine Kupferplatte, ritzt spiegelverkehrt seine Daten ein, reibt Druckfarbe darauf, wischt die Platte wieder ab und poliert sie und walzt sie auf gefeuchtetem Büttenpapier durch die Kupferstichpresse. Dann wird die Visitenkarte wirklich individuell …

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