leichtes design

15. September 2008

Warum leicht? Eine neue Ideologie: Alles muss leicht sein?

Ganz und gar nicht. Darum geht es nicht. Mit leichtem design meine ich keine zarten Farben, dezente Gestaltungen, reduzierte und stilisierte Formen, in die man sich verliebt und die ich zur absoluten Wahrheit erheben möchte, sondern leicht sollte die Arbeitsweise, das Konzept, die technische Umsetzung und auch die Kommunikation darüber sein. Leichtigkeit ist eine Frage der Ästhetik in allen Beziehungsrichtungen. Sie ist frei von Pedanterie, hartnäckigem Festhalten, von unverhältnismäßigem Aufwand, zu viel reden und zu viel rumprobieren.

Wer kennt das nicht, dass man sich total in etwas vergräbt, meint, das muss ganz toll werden und hinterher merkt man, dass man vergessen hat, wofür das alles eigentlich sein soll. Beim Gestalten meinte man oft, dem neuesten Trend einem coolen Design gerecht werden zu müssen. Und dabei wird man dann sehr, sehr eng, regelrecht unfrei!

Wie verstehe ich nun “leichtes design”? Das Bedürfnis nach Leichtigkeit soll wie gesagt nicht als Abgehobenheit verstanden werden. Es soll sich nicht alles verflüchtigen. Und ganz besonders zu sehen: Wie stehts mit der Leichtigkeit drumherum?

Diese Leichtigkeit kann sich also auf alle erdenklichen Ebenen ausweiten. Damit ist z. B. auch eine gute und praktikable Zusammenarbeit zwischen Designern und Technikern gemeint. Der richtige Sinn für das jeweilige Medium, sei es Web oder Print. Denn da entstehen oft große Kluften und Parteilichkeiten, Gegnerschaften von Grafik- und Webdesignern, bei denen jeder vom anderen sagt,  er kenne nur das eine. Ebenso wieder von Webdesignern zu Webprogrammierern, wo sich keiner in die Arbeitsschritte des anderen hineindenkt und unaussprechliche Verwünschungen dem jeweils anderen treffen. Leichter könnte es sein, wenn beide Parteien miteinander kommunizieren, so dass ein Webdesign beispielsweise praktikabel umsetzbar wird und sich sogar die Suchmaschinen darüber freuen. Oder ein Drucker etwas drucken kann, was es auch wirklich gibt und nicht nur in den Köpfen der Designer spukt.

Unkompliziert, benutzfreundlich ohne viel Schnickschnack, auch kein verkünsteltes in sich selbst verliebtes design also.

So sehe ich die Leichtigkeit in den verschiedenen Verhältnissen die der Designer in alle Richtungen schafft: zum Kunden, zu den Technikern, zu den Kunden der Kunden, zum Thema und Inhalt, zur Kultur und Kunst und zu sich selbst und seinen Empfindungen natürlich. Kompliziert und schwer wird alles, wenn einer dieser Bereiche vergessen wird. Wenn z. B. ein Grafik-Designer einen Printentwurf für eine Webseite macht. Er wird dann vielleicht seinen Idealen gerecht, nicht aber der Umsetzung und meist auch nicht demjenigen, der sich hinterher auf der Seite bewegen soll.

Und damit wären wir schon beim nächsten Thema: Alle reden von Benutzerfreundlichkeit und Usibility, Benutzerführung, Barrierefreiheit usw im Web und von Corporate Design, Corporate Identity im Printbereich. Meist werden diese Begriffe aber nur modisch, technisch oder konzeptionell gesehen und weniger auf eine Gestaltung bezogen, die wirklich Beziehungen schaffen soll. Wer freut sich hinterher über das Ergebnis? Gelungen ist es wohl dann, wenn es nicht nur die Techniker oder nur die Designer oder auch nur der funktionale Benutzer ist. Benutzerfreundlichkeit bekommt etwas Leichtes, wenn es gelungen ist, die Bereiche der Ideen und Gestaltung, die Möglichkeiten der Umsetzung und die notwendige Benutzung in allen Phasen zu sehen und sympathisch zu verbinden.

Leichtigkeit kann nicht nur eine Gestaltungsmethode sein oder eine erzeugte Emotion durch sanfte Farben und dezente Formen. Leichtigkeit kann man auch als eine reale Wirkung, eine Empfindung, ein Resultat eines gelungenen Prozesses verstehen. Zusammenhänge, Beziehungen und Kennenlernen können Leichtigkeit erzeugen. So kommt man wieder auf die gleichen Fragen, die sich ein Gestalter immer wieder stellen muss: Für wen soll es sein? Wie lässte es sich realisieren? Welche Fachkunde ist zu beachten? Und vor allem auch: Mit wem habe ich es in den Arbeitsprozessen zu tun? Was braucht dieser beispielsweise für Informationen? Wie kann der Drucker oder der Programmierer meine Idee wirklich umsetzen?

Das vorläufige Fazit: leichtes design ist das Ergebnis aus einem guten Zusammenspiel von verschiedenen Bereichen und Menschen.

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